Vom Kundenandrang zur Schließung
Als Bill Hays im April 2024 seinen Trump-Superstore nahe Knoxville in Tennessee eröffnete, standen nach seiner Erinnerung an einem Tag 80 Menschen Schlange. Der Monatsumsatz erreichte damals 200.000 Dollar. Bei der Schließung im September 2026 waren davon noch 20.000 Dollar übrig, berichtete NPR am 22. Oktober. Hays besitzt noch einen zweiten Trump-Laden. Über dessen Fortbestand will er nach dem Weihnachtsgeschäft entscheiden.
Auch die Unternehmerin Sany Dash hat ihre Geschäfte aufgegeben. Wie Fortune am 16. Oktober berichtete, schloss sie wegen stark gesunkener Einnahmen in diesem Jahr alle drei USA-Trump-Stores: in Gainesville und Arlington in Texas sowie in Loveland in Colorado. Nach eigenen Angaben hatte Dash zuvor innerhalb von neun Jahren mit Trump-Artikeln 63 Millionen US-Dollar umgesetzt.
Ron Solomon, Leiter des Onlinehändlers MAGA Mall, bezifferte die Zahl der verbliebenen Trump-Geschäfte in den USA gegenüber NPR auf etwa 20. Sein eigenes Unternehmen, das Produkte zu Trump und dessen Make-America-Great-Again-Bewegung verkauft, verzeichnet ebenfalls Einbußen: Der Umsatz liegt dem Bericht zufolge 30 Prozent unter dem Niveau der Jahre, in denen der inzwischen 80-jährige Präsident zur Wahl stand.
Händler nennen politische und wirtschaftliche Gründe
Hays führt die schwächeren Verkäufe auf Entscheidungen der Trump-Regierung zurück, die er für unpopulär hält. Dazu zählt er die massiven Stellenkürzungen am Anfang der zweiten Amtszeit. Zugleich beobachtet er, dass Kunden ihre Unterstützung für Trump weniger offen zeigen: Sie bitten häufiger um eine Einkaufstüte, anstatt die gekauften Artikel gleich anzuziehen. NPR zitiert ihn mit den Worten: "Die Leute haben sozusagen nicht mehr ihre Farben gezeigt, so wie sie es vor der Wahl (2024) getan haben".
Donald "Whitey" Taylor nennt dagegen vor allem wirtschaftliche Belastungen. Der Betreiber von Trump Town USA in Boones Mill, Virginia, sagte CNN am 10. Oktober, höhere Benzinpreise infolge des Iran-Kriegs und die anhaltende Inflation drückten auf das Geschäft. Zu Spitzenzeiten habe sein Laden täglich 12.000 bis 15.000 Dollar eingenommen. Inzwischen seien es meist 1.500 bis 2.000 Dollar, gelegentlich 3.000 Dollar.
Landesweite Umfragen zeigen unterdessen niedrige Zustimmungswerte für den Präsidenten. In der Erhebung der New York Times und der Siena University bewerten 36 Prozent der wahrscheinlichen Wähler seine Amtsführung positiv, 59 Prozent negativ. Eine niedrigere Zustimmung wurde in dieser Umfrage bislang nicht gemessen.
Auch Fox News ermittelte einen Tiefstand: Laut Fortune lag Trumps Gesamtzustimmung in der am 14. Oktober 2026 veröffentlichten Umfrage bei 36 Prozent und damit so niedrig wie nie zuvor in den Fox-News-Erhebungen während seiner beiden Amtszeiten. Unter den registrierten Wählern lehnten 77 Prozent seinen Umgang mit der Inflation und 70 Prozent seinen Umgang mit der Wirtschaft ab.
Der Trump-Unterstützer Wes Alker äußerte gegenüber NPR die Einschätzung, Trump habe seinen Höhepunkt hinter sich und sei deshalb für Unternehmer kein tragfähiges Geschäftsmodell mehr. Der Präsident absolviert seine zweite und damit letzte Amtszeit, bringt allerdings immer wieder eine dritte ins Gespräch.
Preisnachlässe, andere Sortimente und weniger Bestellungen
Einige Ladenbesitzer nehmen verstärkt patriotische Produkte ohne direkten Trump-Bezug ins Sortiment auf und versuchen, ihre Trump-Bestände abzubauen. Zu ihnen gehört Rick Kligman, der zwei Geschäfte in South Carolina besitzt. "Ich will nicht hier sitzen und Tausende und Abertausende Dollar an Trump-Fanartikeln besitzen, ohne die geringste Möglichkeit zu haben, sie zu verkaufen", sagte er NPR. Gegenüber Fortune bezifferte der Händler aus Myrtle Beach am 16. Oktober den Umsatzrückgang bei Trump-Markenartikeln gegenüber 2024 auf 39 Prozent.
Mit deutlichen Rabatten reagieren Steven und Karen Slaton, die seit zehn Jahren den Trumped Store and Coffee Shop in Show Low, Arizona, betreiben. Hüte und Shirts mit einem früheren Preis von 30 Dollar bieten sie nun für 10 Dollar an. Steven Slaton schätzte gegenüber Fortune, dass ihr Umsatz mit Trump-Artikeln im September 2026 um 20 bis 25 Prozent unter dem des Septembers 2024 lag.
Der Rückgang reicht bis zu den Zulieferern. Eric Turney, Vertriebsleiter des Werbeartikelherstellers The Monterey Company, berichtete Fortune, das Unternehmen habe 2024 mit MAGA-Hüten, Schlüsselanhängern und Buttons für neun Großhändler rund 250.000 Dollar verdient. Für diese Produkte gebe es inzwischen nur noch drei regelmäßige Großhandelskunden. Während 2024 durchschnittlich 15 Bestellungen im Monat eingingen, waren es 2025 und 2026 zusammen lediglich 13 Aufträge.
Auch online hat das Interesse nachgelassen. Fortune berichtete unter Berufung auf Google Trends, das Suchinteresse am Begriff "MAGA hat" sei bis Oktober 2026 um 95 Prozent gesunken. Seine Höchststände hatte es im Dezember 2018 und im November 2024 erreicht.
Wahlkampfauftritte beleben einzelne Verkäufe
Solomon berichtet allerdings auch von neuer Nachfrage bei Wahlkampfauftritten für republikanische Kandidaten zu den Zwischenwahlen. Diese hätten den Verkauf von MAGA-Hüten und Hüten mit der Aufschrift "Trump 2028" wieder angekurbelt, sagte der MAGA-Mall-Leiter Fortune am 16. Oktober. Bei einer Kundgebung in Vandalia in Ohio habe er besonders viele davon verkauft.
Die Trump Organization selbst führt Hüte mit der Aufschrift "Trump 2028" seit April 2025 im Angebot. Sie kosten 50 Dollar.






