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"Wismutweiber": Pirna zeigt Frauen im DDR-Uranbergbau

Mit 90 Werken aus der Kunstsammlung der Wismut rückt die Galerie Schöne Höhe Arbeiterinnen des DDR-Uranbergbaus in den Mittelpunkt. Die Ausstellung "Wismutweiber" läuft vom 25. Oktober 2026 bis zum 28. Februar 2027 und zeigt Frauen bei der Arbeit über und unter Tage.

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Arbeiterinnen statt Rollenklischees

Etwa zehn Prozent der Beschäftigten im Uranbergbau der Wismut waren Frauen. Sie sortierten Erz, bedienten Maschinen, arbeiteten im Labor oder als Markscheiderinnen, also Vermessungsingenieurinnen. In künstlerischen Darstellungen sieht Galeristin Sylvia Heilmann ihre Mitarbeit jedoch oft hinter anderen Rollen verschwinden: "Die Mutter, die Ehefrau, die Geliebte, die Schöne, die Anguckenswürdige", zählt sie im MDR auf. "Aber nie die Starke und Mitarbeitende."

Heilmann führt die Galerie mit ihrer Tochter Sophia, ihrer Nichte Sarah und dem gemeinsam gegründeten Kunstverein. Für die Ausstellung suchte das Team im Wismut-Bestand gezielt nach Bildern von Frauen im Arbeitsalltag. Die ausgewählten Gemälde, Zeichnungen und Druckgrafiken zeigen Frauen und Männer sowohl bei der Arbeit als auch in ihrer Freizeit, selbstbewusst oder nachdenklich.

Der Titel soll dabei bewusst irritieren. Dass "Wismutweiber" auch Protest auslösen könnte, war den Betreiberinnen klar. Heilmann erklärt: "Wir wollten diesen negativ besetzten Begriff nehmen, um erstmal Aufmerksamkeit zu erregen." Ihr Anliegen formuliert sie so: "Es waren keine Weiber, sondern es waren starke, taffe, kluge, weitsichtige und vor allen Dingen sehr stabile Frauen, die da mitgearbeitet haben."

Porträts mit Helm, Arbeitsjacke und Pinsel

Zu den porträtierten Arbeiterinnen gehört die Maschinistin Charlotte Luga. Zwei Künstler haben sie dargestellt; beide Porträts sind in Pirna zu sehen. Frank Schults Radierung von 1976 zeigt Luga im Gelände, bekleidet mit einer dicken Arbeitsjacke und einem Helm. Einen anderen Zugang wählte Eva-Schulze Knabe: Die Künstlerin stellte sich selbst in Bergarbeiterkleidung dar, den Pinsel in der Hand. Sie malte aus eigener Initiative unter Tage.

Nicht immer stehen die Frauen im Vordergrund eines Bildes. In Lutz Ketschers "Schichtbus" von 1986 fällt Heilmann eine Arbeiterin auf, die zwischen den in sich gekehrten Fahrgästen leicht zu übersehen ist. Das Blau der Morgendämmerung umgibt ihre Gestalt; auf die Galeristin wirkt sie müde und etwas traurig. Eine Deutung der Figur als Heilige Barbara, die manche Betrachter darin erkennen wollen, lehnt Heilmann ab.

Bei der Recherche im Sammlungsarchiv fand das Team auch Darstellungen von Frauen bei der Arbeit unter Tage. "Es gab Frauen, die tatsächlich mit Helm und mit Pickel gearbeitet haben", sagt Heilmann.

Wie die Arbeit unter Tage eingeschränkt wurde

Die Einsatzmöglichkeiten von Frauen im Bergbau änderten sich im Laufe der Jahre. Gabriele Meißner beschreibt in einem 2013 erschienenen Beitrag der Zeitschrift "Der Anschnitt" des Deutschen Bergbau-Museums eine erste Einschränkung bei der Wismut: Nach dem tödlichen Arbeitsunfall einer Frau im Januar 1949 wurde ihr Untertageeinsatz auf stationäre Tätigkeiten begrenzt. Zulässig blieben Tätigkeiten als Fördermaschinistinnen, Lokfahrerinnen und Anschlägerinnen.

Weitere Verbote brachte 1951 die "Verordnung zum Schutze der Arbeitskraft". Sie untersagte Frauen bestimmte schwere und gesundheitsgefährdende Arbeiten. Unter Tage gehörten dazu Tätigkeiten als Hauer und Verlader sowie Arbeiten beim Ausbau und bei der Schießarbeit.

1959 beschloss der Zentralvorstand der IG Bergbau, Frauenarbeit unter Tage sofort zu beenden. Nach Meißners Darstellung wehrten sich viele Betroffene dagegen: Sie protestierten und weigerten sich, die Gruben zu verlassen.

Ein Ausschnitt aus mehr als 4.200 Werken

Die Pirnaer Auswahl stammt aus der Kunstsammlung der Wismut GmbH, vormals SDAG Wismut. Nach Angaben der Neuen Sächsischen Galerie Chemnitz umfasst sie 4.209 Arbeiten von 450 Künstlern, darunter mehr als 280 Gemälde. Damit ist sie die umfangreichste Kunstsammlung eines DDR-Unternehmens. Aufgebaut wurde der Bestand zwischen 1959 und 1989.

In ihren Anfängen stand die Sammlung im Zusammenhang mit der kulturpolitischen Kampagne des "Bitterfelder Weges" von 1958 bis 1964. Später kamen zahlreiche Arbeiten durch Verbindungen zur Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig und zur Hochschule für bildende Künste Dresden hinzu.

Zu sehen ist die Auswahl in einem ehemaligen Ausflugslokal oberhalb von Pirna. Das Haus mit Blick über die Stadt dient seit drei Jahren als Ausstellungsraum der Galerie Schöne Höhe.

Filme und Begleitveranstaltungen

Neben den Kunstwerken zeigt die Ausstellung den Film "Das Glück da unten". Der Veranstaltungskalender der Stadt Pirna beschreibt ihn als authentische visuelle Begegnung mit fünf Frauen unter Tage.

Zum Rahmenprogramm gehört außerdem Konrad Wolfs DEFA-Spielfilm "Sonnensucher". Als Vorführtermine nennt das Programm den 7. Oktober 2026 und den 6. Februar 2027. Der 1958 fertiggestellte Film wurde von der SED verboten und gelangte erst 1972 in die DDR-Kinos. Laut Wikipedia lief er zuvor am 27. März 1972 erstmals im DDR-Fernsehen. Seine Kino-Erstaufführung fand am 1. September 1972 in Ronneburg anlässlich des 25. Jahrestags der SDAG Wismut statt.

Die Außenaufnahmen für "Sonnensucher" wurden überwiegend in Johanngeorgenstadt gedreht. Dort war der Uranbergbau 1956 eingestellt und ein Großteil der historischen Altstadt abgerissen worden.

Am 15. November 2026 ist eine Schreibwerkstatt mit Juliana Socher vorgesehen. Für den 22. November 2026 steht Gabriele Meißners Vortrag auf dem Programm: "Ich bin Bergmann, wer ist mehr?" – Das ostdeutsche Uranimperium und die weiblichen Perspektiven.

Die Galerie Schöne Höhe befindet sich in der Burglehnstraße 13, 01796 Pirna. Der Eintritt zur Ausstellung ist frei.

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