Welchen Kurs Heil fordert
Eine Entscheidung hat Heil noch nicht getroffen. Dem "Spiegel" sagte er zu einer möglichen Kandidatur: "Das ist möglich". Maßgeblich seien für ihn zwei Fragen: "Erstens: Was soll die Richtung der SPD sein? Zweitens: Was ist das Team?" Bereits Mitte Oktober hatte er in der ARD erklärt: "Ich kann das nicht ausschließen."
Heil wirbt für eine solidarische Leistungsgesellschaft, in der Einsatz, Engagement und Leistung Anerkennung finden. Zugleich verlangt er eine eindeutige Positionierung in der Außen- und Sicherheitspolitik und eine starke Führungsmannschaft. Die SPD müsse sich mit Leidenschaft dafür einsetzen, den Alltag der Menschen zu verbessern. Als Beispiel führte er den britischen Labour-Premierminister Andy Burnham an: "So stelle ich mir die SPD vor: mit klarem Kompass und konkreten Taten."
In den laufenden parteiinternen Gesprächen will Heil klären, ob er zur Stärkung der SPD beitragen kann. Gewinne er davon einen berechtigten Eindruck, werde er kandidieren. Für eine mögliche Partnerin in einer Doppelspitze nannte er keine Namen. Nach dem Parteistatut müsste den zweiten Vorsitz in diesem Fall eine Frau übernehmen. Heil sagte dazu: "Es gibt eine Reihe von Frauen in der SPD, die das können."
Der 53-Jährige verwies auf seine Erfahrung und sein Verhandlungsgeschick, betonte aber, wichtiger sei die Neugier auf Menschen und Veränderungen in der Welt. Nach Angaben des Deutschlandfunks gehört er dem Bundestag seit 28 Jahren an; knapp fünf Jahre amtierte er als SPD-Generalsekretär, sieben Jahre als Bundesarbeitsminister. Im Mai 2025 hatte er sich laut Spiegel aus sämtlichen Spitzenämtern der Partei zurückgezogen. Er verzichtete auf eine erneute Kandidatur als SPD-Vize und übernahm auch in der Regierung von Bundeskanzler Friedrich Merz kein führendes Amt.
Gesamte Führung steht in Bremen zur Wahl
Auslöser der Neuaufstellung ist der Rücktritt von Bärbel Bas. Sie gab am 12. Oktober sowohl den Parteivorsitz als auch das Amt der Arbeitsministerin mit sofortiger Wirkung auf. Die Leitung des Ministeriums übernahm anschließend Alexander Schweitzer, zuvor Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz.
Auf Vorschlag des verbliebenen Vorsitzenden Lars Klingbeil befürwortete das SPD-Präsidium danach einstimmig eine Neuwahl der gesamten Parteispitze, berichtete tagesschau.de am 15. Oktober. Gewählt werden soll beim Bundesparteitag am 16. und 17. Januar in Bremen. Dort will die SPD auch politische Schwerpunkte setzen, darunter die Bezahlbarkeit des Lebens.
Ob Klingbeil erneut kandidiert, ist offen. Bei seiner Wiederwahl auf dem Parteitag 2025 erhielt er laut tagesschau.de 64,9 Prozent der Delegiertenstimmen, Bas kam damals auf 95 Prozent. Auf Klingbeil als möglichen Konkurrenten angesprochen, sagte Heil: "Lars Klingbeil schultert als Bundesfinanzminister viele schwierige Aufgaben." Die Debatte dürfe sich jedoch nicht auf einzelne Personen beschränken.
Absagen und Debatte über das Führungsmodell
Zwei andere mögliche Bewerber haben eine Kandidatur bereits ausgeschlossen: Verteidigungsminister Boris Pistorius und die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger. Wie tagesschau.de berichtet, verweist Rehlinger darauf, dass sie 2027 im Saarland zur Landtagswahl antreten muss.
Als mögliche Kandidatin gilt innerhalb der SPD auch Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig. Nach der Landtagswahl arbeitet sie derzeit an einer Dreierkoalition. Allerdings hatte sie vor der Wahl nach eigenen Angaben erklärt, für die kommenden fünf Jahre Ministerpräsidentin in Schwerin bleiben zu wollen, wie tagesschau.de berichtet.
Neben der Besetzung steht das Führungsmodell zur Debatte. Juso-Vorsitzender Philipp Türmer sieht im Bremer Parteitag eine Gelegenheit zum Neustart. In der ARD-Sendung "Draußenpolitik" kritisierte er laut tagesschau.de die Verbindung von Kabinettsamt und Parteivorsitz. Er könne sich auch eine Einzelspitze vorstellen, beispielsweise eine Frau als alleinige Vorsitzende. Aus der Parteibasis kam in den vergangenen Monaten wiederholt der Einwand, die Doppelrolle in Regierung und Partei erschwere einen eigenständigen, klaren SPD-Kurs.
Die Arbeit an einem neuen Grundsatzprogramm läuft ebenfalls. Bis zum Bremer Parteitag Mitte Januar wird es nach dem Bericht von tagesschau.de vom 20. Oktober allerdings noch nicht fertig sein.



