Wie die Wohnungskonzerne die neuen Enteignungspläne bewerten
Die Reaktionen großer Wohnungskonzerne auf die neuesten Pläne der möglichen rot-grün-roten Koalition in Berlin fallen unterschiedlich aus. Vonovia teilt mit, die Pläne für rechtswidrig zu halten. Heimstaden gibt sich gelassen. Wieder andere Konzerne geben keine Stellungnahme ab.
Die Pläne von Linken, Grünen und SPD sehen vor, private Wohnungsbestände ab 10.000 Wohnungen in kommunalen Besitz zu überführen.
Vonovia hält die neuen Pläne zur Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände in Berlin weiterhin für rechtswidrig, teilte Deutschlands größter Wohnungskonzern am Montag auf Handelsblatt-Anfrage mit. Der schwedische Immobilienkonzern Heimstaden zeigt sich hingegen gelassen, während andere große Vermieter öffentliche Stellungnahmen vermeiden.
Linke, Grüne und SPD hatten sich am Wochenende auf einen vorläufigen Fahrplan verständigt. Die Parteien planen laut Sondierungspapier, private Wohnungskonzerne ab einem Bestand von 10.000 Wohnungen in Berlin gegen eine Entschädigung zu vergesellschaften.
Das Sondierungsergebnis ändert nichts an unserer Haltung. Wir sind überzeugt, dass eine Vergesellschaftung in der vorgelegten und geplanten Art und Weise verfassungswidrig ist und einer gerichtlichen Überprüfung nicht standhalten würde.
Damit bekräftigt der Bochumer Dax-Konzern seine grundsätzliche Ablehnung der Vergesellschaftung privater Wohnungsbestände. Vonovia ist der größte private Vermieter der Hauptstadt und wäre von entsprechenden gesetzlichen Regelungen besonders betroffen.
Warnung vor den Folgen
Zugleich warnt das Unternehmen vor den Folgen der politischen Debatte für den Wohnungsbau. Um den Wohnungsmangel in Berlin zu überwinden, seien erhebliche private Investitionen notwendig. Voraussetzung dafür seien Verlässlichkeit, Rechtssicherheit und ein stabiles Investitionsumfeld.
Vonovia verweist dabei auf die eigene Rolle als Vermieter und Bauherr. Die durchschnittliche Miete in den Berliner Beständen des Konzerns liege bei 8,26 Euro je Quadratmeter. Zudem befänden sich aktuell rund 1000 Wohnungen im Bau. Der Konzern verdeutlicht damit sein Engagement am Berliner Wohnungsmarkt, ungeachtet der politischen Auseinandersetzung.
Heimstaden betont Vertrauen in Rechtsstaat
Auch der schwedische Wohnungskonzern Heimstaden sieht keinen Anlass, sich vom Berliner Wohnungsmarkt zurückzuziehen.
Wir verfolgen die politischen Entwicklungen in Berlin aufmerksam und mit Ruhe. Als langfristiger Bestandshalter denken wir in Jahrzehnten und treffen Entscheidungen für Generationen, sowohl für unsere bestehenden Wohnungen als auch im Neubau.
Diese Perspektive reiche weit über einzelne Wahlperioden hinaus, sagte Heimstaden-Deutschlandchef Jakub Mika. Die Debatte über Enteignung und Vergesellschaftung sei nicht neu.
Unser Vertrauen in den deutschen Rechtsstaat und den Schutz von Eigentum bleibt ungebrochen hoch.
Heimstaden bestätigte ausdrücklich, weiterhin in Berlin investieren und neue Wohnungen errichten zu wollen. Die Zahl der Neubauprojekte des Unternehmens in der Hauptstadt umfasst nach eigenen Angaben derzeit rund 500 Mietwohnungen.
Adler und Covivio halten sich bedeckt
Andere große Immobilienunternehmen vermeiden dagegen eine öffentliche Positionierung. Die Adler Group teilte auf Handelsblatt-Anfrage mit, die neuen Vergesellschaftungspläne nicht kommentieren zu wollen.
Ähnlich äußerte sich der französische Immobilienkonzern Covivio.
In der aktuellen Situation möchten wir von einer Kommentierung oder Beteiligung an der öffentlichen Einordnung dieses Themas absehen.
Man stehe dazu in engem Austausch mit den relevanten Marktteilnehmern und Fachverbänden.
Die Zurückhaltung zeigt, wie sensibel die Debatte für die großen Wohnungsunternehmen ist. Eine öffentliche Konfrontation mit der Berliner Politik vermeiden einige Vermieter offenbar bewusst. Aus dem Schweigen lässt sich allerdings nicht ableiten, ob die Unternehmen die neuen Vorschläge für rechtlich oder wirtschaftlich tragfähig halten.
160.000 Wohnungen könnten betroffen sein
Hintergrund ist die am Samstag erzielte Sondierungseinigung von Linken, Grünen und SPD. Die drei Parteien wollen im Falle einer gemeinsamen Regierungsbildung große private Wohnungsbestände in Gemeineigentum überführen.
Nach Angaben der Linke-Co-Fraktionsvorsitzenden Elif Eralp wären davon fünf große Konzerne betroffen, darunter Vonovia. Nach einer Aufstellung des Analysehauses Empirica kommen in Berlin neben Vonovia vor allem drei weitere private große Immobilienfirmen auf einen Bestand von mehr als 10.000 Wohnungen. Insgesamt kämen nach den neuen Plänen rund 160.000 Wohnungen zusätzlich in den kommunalen Besitz.
Heimstaden Germany, die deutsche Tochter des schwedischen Immobilienunternehmens Heimstaden Bostad, hält laut Empirica rund 20.000 Wohnungen in Berlin. Auch die deutsche Adler Group verfügt laut der Aufstellung über etwa 17.000 Wohnungen. In ähnlicher Größenordnung bewegt sich auch der Bestand des französischen Immobilienunternehmens Covivio in Berlin.
Mitte 2028 will Rot-Grün-Rot in Berlin zu dem Komplex ein Gesetz vorlegen, das erst ein Jahr nach Beschlussfassung in Kraft treten soll. In der Zwischenzeit soll es vom Verfassungsgericht überprüft werden, Klagen sind definitiv zu erwarten. Die Entschädigungssumme soll auf 16 Milliarden Euro begrenzt werden.




