Mehrere Verletzte und zahlreiche Einsätze
In Nastätten im rheinland-pfälzischen Rhein-Lahn-Kreis erlitten zwei Menschen schwere Verletzungen, als eine Böe am Freitagnachmittag ein Gestell umwarf. In der Nähe fand zu diesem Zeitpunkt ein Oktobermarkt statt. Nach Polizeiangaben bestand bei einem der Verletzten Lebensgefahr; ein Hubschrauber brachte ihn in eine Klinik.
Ein Radfahrer wurde in Seligenstadt im Kreis Offenbach von einem abgerissenen Ast getroffen und musste von der Feuerwehr befreit werden. In Lebach im Saarland verletzte ein Werbeschild einen Fußgänger leicht. Die saarländische Polizei verzeichnete bis zum Abend insgesamt 59 sturmbedingte Einsätze.
In Duisburg meldete die Feuerwehr rund 40 Einsätze wegen Sturmschäden. Im gesamten Stadtgebiet kippten Bäume um, darunter einer auf einen Kiosk. Weitere Bäume fielen in Stromleitungen. Einsatzkräfte räumten Straßen von Ästen und Bäumen; eine Autofahrerin fuhr gegen einen umgestürzten Baum. Nach bisherigen Erkenntnissen wurde in Duisburg niemand verletzt.
Auch die Feuerwehr in Remscheid musste umgestürzte Bäume und abgebrochene Äste beseitigen. Ein größerer Baum fiel an der A1 gegen eine Lärmschutzwand, woraufhin die Fahrbahn Richtung Köln zeitweise gesperrt wurde. In Rust nahm der Europa-Park seine großen Achterbahnen im Freien vorübergehend außer Betrieb.
ICE mit 280 Fahrgästen musste abgeschleppt werden
Beschädigte Oberleitungen und Äste auf den Gleisen behinderten vielerorts den Bahnverkehr. Bei Aachen konnte ein ICE mit 280 Fahrgästen nach einem Oberleitungsschaden nicht weiterfahren. Eine Diesellok schleppte den Zug zum Bahnhof Stolberg.
Am Hauptbahnhof Karlsruhe geriet ein Gegenstand in die Oberleitung. Reisende berichteten von "massivem Funkenschlag". Bei Pforzheim blieb eine Regionalbahn mit Hunderten Fahrgästen auf der Strecke liegen, nachdem sie gegen einen Ast geprallt war. Umgestürzte Bäume versperrten zudem bei Neuss und in Stuttgart die Gleise.
Nur kurze Windpause vor dem nächsten Tief
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) erwartet, dass "Luise", international "Austen" genannt, am Samstag zur Ostsee und nach Dänemark weiterzieht. Während der Wind tagsüber vorübergehend nachlässt, bleiben an der Küste Sturmböen möglich. Schon am Abend nähert sich von Westen "Manja". Für die Nacht zum Sonntag kündigt der DWD kräftigen Regen und deutlich zunehmenden Südwestwind an. Regional könnten bis Sonntagvormittag Niederschläge in "unwetterartigen Mengen" zusammenkommen.
Für den Brocken im Harz und die Umgebung von Wernigerode galt bis Samstagmittag eine Unwetterwarnung. Dort traten Orkanböen mit bis zu 130 Kilometern pro Stunde auf. Wegen umstürzender Bäume und herabfallender Äste empfahl der DWD, sich nicht im Freien aufzuhalten.
Vom Rheinland über das Ruhrgebiet bis ins Emsland galt außerdem die DWD-Warnstufe Orange: Erwartet wurden schwere Sturmböen bis 85, vereinzelt bis 95 Kilometer pro Stunde. In höheren Lagen der Eifel und des Rothaargebirges drohten orkanartige Böen mit mehr als 100 Kilometern pro Stunde. Der DWD verwies auf die noch dichte Belaubung und warnte vor Ästen, die auf Straßen und Schienen fallen könnten, sowie vor starkem Seitenwind auf Brücken.
Am Sonntag soll es mit Ausnahme des Südostens in Deutschland windig bis stürmisch werden. Für die Nordsee und den Feldberg im Schwarzwald sind Böen bis 100 Kilometer pro Stunde sowie einzelne Orkanböen möglich. In ganz Norddeutschland rechnet der DWD mit einem stürmischen Sonntag; an der Nordseeküste dürfte der Wind in der Nacht zum Montag seinen Höhepunkt erreichen.
Auch an einzelnen Abschnitten der mecklenburgischen Ostseeküste sind schwere Sturmböen nicht ausgeschlossen. Im Norden Schleswig-Holsteins soll es dagegen am längsten ruhig bleiben, weil dort voraussichtlich der Kern des Tiefs durchzieht.
Erhöhte Wasserstände von Hamburg bis Ostfriesland
Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) rechnet von Sonntag bis Montag mit deutlich erhöhten Wasserständen. In Hamburg könnte bereits in der Nacht zum Sonntag eine Sturmflut auftreten. Steigt das Wasser auf mehr als 1,5 Meter über das mittlere Hochwasser, wäre der tiefer gelegene Teil des Fischmarkts in St. Pauli überflutet. Auch in Dagebüll in Nordfriesland könnte laut BSH die Sturmflutmarke erreicht werden. In Wyk auf Föhr wurde der Deichdurchlass am Hafen bereits geschlossen.
An der niedersächsischen Nordseeküste erwartet der Sturmflutwarndienst des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) zwei leichte Sturmfluten. Bei Westwind könnte das Hochwasser am späten Sonntagabend unter anderem in Emden, Wilhelmshaven und Bensersiel bis zu 1,75 Meter über dem üblichen mittleren Tidehochwasser liegen. Damit könnten Strände und Hafenflächen überflutet werden. Für Montagmittag hält der Dienst eine weitere leichte Sturmflut für möglich.
Feriengäste auf Baltrum wurden deshalb aufgefordert, ihre auf dem Festland abgestellten Autos vom Parkplatz am Fährhafen Neßmersiel wegzubringen. Der Platz soll vorsorglich geräumt werden. Die Reederei bot an, Fahrzeuge hinter den sicheren Deich zu fahren: Dazu sollten Inselgäste den Autoschlüssel zusammen mit Kennzeichen und Namen per Fähre ans Festland schicken. Für nicht rechtzeitig entfernte Fahrzeuge wurde kostenpflichtiges Abschleppen angekündigt.
Fährausfälle zum Ferienende und gesperrte Friedhöfe
Zum Ende der niedersächsischen Herbstferien müssen Urlauber mit erheblichen Einschränkungen auf See rechnen. Am Wochenende fallen die Schnellfähren nach Helgoland aus; der "Halunder Jet" fährt auch am Montag nicht. Die Halligen werden am Sonntag und Montag nicht angesteuert.
Nach Langeoog ist für Sonntag nur noch eine Abfahrt am Morgen vorgesehen, während die Verbindungen nach Spiekeroog an diesem Tag vollständig entfallen. Bei den Fähren nach Norderney und Wangerooge sind Verspätungen, Fahrplanänderungen oder Ausfälle möglich.
Köln und Aachen empfehlen, Wälder, Parks, Friedhöfe und Alleen zu meiden. In Erfurt bleiben die Friedhöfe während des gesamten Wochenendes geschlossen. Für Montag wird eine Beruhigung des Wetters erwartet.






